Nimm Deine Gefühle nicht so ernst

Warum sollte ich meine Gefühle nicht ernst nehmen? Sie bestätigen mir doch, dass ich meine Umwelt und meine Mitmenschen wahrnehme, mit ihnen in Verbindung stehe, dass ich schlicht und ergreifend am Leben bin. Meine Gefühle zeigen mir, was und wen ich mag und eben, was und wen ich nicht mag. Das alles ist gut und wichtig, aber die Gefühle ändern sich – manchmal sogar alle paar Minuten. Beispielsweise fahre ich gut gelaunt abends mit meiner Familie, oder Freunden in die Stadt, um etwa ins Kino zu gehen. Auf der Suche nach einem Parkplatz werde ich endlich fündig, aber er wird mir direkt vor der Nase weggeschnappt, ich bin stinksauer, schimpfe und hupe. Manchmal sind wir unseren Gefühlen scheinbar hilf- und wehrlos ausgeliefert.

Kritisch und vorwurfsvoll wird es mit der Aussage: ‚Ich bin total genervt, weil ich schon eine halbe Ewigkeit auf Dich warte.‘ Dadurch gebe ich meine Verantwortung für meine Gefühle ab, verhalte mich unerwachsen und bin somit manipulierbar. Ich gebe dem Gegenüber die Schuld an meinen Gefühlen. Oder aber eine Szene vom Esstisch: ‚Wenn du den Teller nicht leer isst, dann ist Papa ganz traurig.‘ Auf diese Weise unterstelle ich meinem Kind, dass es für meine Gefühlswelt verantwortlich ist und mache ihm somit unbewusst sehr großen Druck, da ich ihm eine Aufgabe übergebe, die es nicht leisten kann und muss.

Wir können uns tatsächlich nicht auf unsere Gefühle verlassen und wir können sie benutzen, um andere zu manipulieren. Was können wir nun tun, wie können wir mit Ihnen umgehen? Spirituelle Lehrer habe ich sagen gehört: ‚Lass die störenden Gefühle wie einen Dieb durch eine leeres Haus laufen.‘ Eine Vorstellung, die mir gefällt: Ich biete den Gefühlen, keine Möglichkeit bei mir fündig zu werden. Und wenn es sich unter ihnen erst einmal herumgesprochen hat, dass es bei mir nichts zu holen gibt, dann kommen sie auch so schnell nicht wieder. Wohl gemerkt ich spreche von den Gefühlen, die uns stören, die uns unangenehm sind.

So weit so gut, aber Sie ahnen sicher schon, dass das ein langer Weg wird, der vielleicht nur durch regelmäßiges Meditieren oder ähnliche Praktiken erreicht werden kann. Das kann jeder für sich gerne tun und ich empfehle es Ihnen auch. Es gibt aus meiner Sicht auch noch einen weiteren, praktischen Weg, der uns dabei unterstützt, erwachsen mit unseren Gefühlen umzugehen.

Wenn wir verstehen, dass die Gefühle die Schlüssel sind, die uns die Welt unserer Bedürfnisse öffnen. Sie zeigen uns, wie weit sie bei uns erfüllt sind. Und zwar unvermittelt, sofort und ohne zu Zögern. Toll! Wir hören also nicht bei der Wahrnehmung der Gefühle auf zu denken, sondern wir fragen nach: ‚Warum habe ich jetzt dieses Gefühl?‘. Ist mein Gefühl willkommen, sind meine Bedürfnisse zur Zeit erfüllt, ist mein Gefühl störend und unangenehm, ist ganz sicher mindestens ein Bedürfnis unerfüllt.

Somit bin ich nicht verärgert, weil meine Verabredung zu spät kommt, sondern weil mir Respekt, Wertschätzung und Effizienz wichtig sind. Ich bin nicht auf mein Kind sauer, wenn es im Winter mit kurzen Hosen in die Schule möchte, sondern ich bin besorgt, weil mir seine Gesundheit am Herzen liegt. Ich bin nicht grantig auf meine Kollegin, wenn sie morgens nicht zurück grüßt, sondern traurig und enttäuscht, da ich Wert lege auf Höflichkeit und Respekt.

Sie merken den Unterschied? Es mag auf den ersten Blick gar nicht so bedeutend klingen die Sätze etwas anders zu formulieren. Aber dahinter steckt eine Änderung der eigenen Sichtweise und mit der Zeit auch eine Änderung der inneren Haltung. Denn nur wenn wir die Gefühle als Indikator für unseren Bedürfnispegel verstehen, macht es Sinn sie ernst zu nehmen. Noch ein Tipp: Fragen Sie doch mal bei sich nach, welche Bedürfnisse gerade erfüllt sind, wenn es Ihnen so richtig gut geht. Merken Sie sich diese Bedürfnisse und wie sie es Ihnen gelingt, sie für sich zu erfüllen. So legen Sie ein emotionales Schatzkästchen für sich an, auf das sie an trüben Tagen und in grauen Zeiten zurückgreifen können.

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