Mobbing in der Schule

Bernd steht auf dem Pausenhof abseits, niemand spielt mit ihm. Susanne kommt nach Hause, wirft ihren Schulpack in die Ecke und sagt: ‚Blöde Schule, da geh ich nie wieder hin!‘ Paul schreibt plötzlich schlechtere Noten, als noch vor wenigen Wochen, auch in Fächern, in denen er doch eigentlich immer gut war. Werden diese Kinder in der Schule gemobbt?

Wir reden dann von Mobbing, wenn eine Person gezielt, regelmäßig und wiederholt über einen längeren Zeitraum emotional und/oder körperlich verletzt wird. Wenn sie an ihrer Bedürfniserfüllung willentlich und vorsätzlich von anderen gehindert wird. Mobbing betrifft immer die Gruppe, also mindestens die Klasse samt LehrerIn, es ist keine 1zu1 Situation. Und Mobbing ist ein Führungsproblem. Dadurch entsteht auch immer ein Machtgefälle, das bei dem Opfer Ohnmacht und Hilflosigkeit erzeugt. Der Mobbingprozess stützt sich sehr stark auf die Gefühle der Beteiligten – die Angst der Mitläufer selbst ein Opfer zu werden und die Unsicherheit des Opfers sich mitzuteilen, da die sozialen Beziehungen nun nicht mehr funktionieren. Mobbing ist eine Strategie, die sehr gewaltvoll Machtpositionen und Regeln durchsetzt und darauf abzielt, die Selbstwertschätzung des Opfers wesentlich zu verringern.

Wenn wir nun glauben, dass nur schwache oder langweilige Menschen zum Opfer werden, dann hat die Mobbingfalle gedanklich schon zugeschnappt! Wer möchte sich schon mit Schwächlingen und Langweilern solidarisieren? Tatsächlich haben Studien ergeben, dass es jeden treffen kann, da genügen schon unwesentliche Abweichungen von der Gruppennorm. Unser Irrglaube spielt den Tätern in die Karten, denn es gibt in einer Mobbingsituation nur zwei Positionen: STOP signalisieren, oder nicht. Indem wir wegschauen, so tun, als ob es uns nichts angeht, lassen wir die Täter gewähren und werden somit auch einer von ihnen. Unser Verhalten signalisiert: ‚Ist nicht so schlimm, macht weiter so.‘

Das Opfer denkt: ‚So viele wissen davon, bekommen mit, wie ich schikaniert werde, selbst die LehrerIn weiß davon. Warum hilft mir keiner? Wahrscheinlich stimmt mit mir wirklich etwas nicht, es geschieht mir recht gemobbt zu werden.‘ Das Opfer sucht sehr oft die Schuld bei sich, wird emotional immer schwächer, das Selbstwertgefühl sinkt, geht dadurch oft erst viel zu spät an die Öffentlichkeit. Wenn überhaupt! Alle Beteiligten werden rasant in ihren Rollen bestätigt, dadurch wird das Opfer immer schwächer, der Täter immer stärker, die Passiven immer ängstlicher. Die Fronten verhärten sich. Jetzt befinden wir uns in einem sehr gefährlichen Kreislauf, der auf ein katastrophales Ende zulaufen kann. Ich hatte vor einigen Jahren einen workshop zu diesem Thema an einer Schule, an der kurz zuvor ein gemobbter Schüler sein Leben beendet hatte.

Wie können wir Mobbing vorbeugen? Eltern können ihren Kindern vorleben, wie wichtig die eigene Bedürfniserfüllung ist, die eigene Gefühlswelt ernst zu nehmen, zu reflektieren, was gerade passiert. Sie können ihre Kinder ermutigen gut für sich zu sorgen. Schulen brauchen ein Bewusstsein für Mobbing und einen Einsatzplan, den alle auch kennen. Das kann ein Antimobbing-Programm sein, das immer dann greift, wenn diese Strategie zu beginnen droht. Mobbing geht die ganze Schule an, als Untergröße die Klasse, denn es stehen wichtige Bedürfnisse wie Gemeinschaft, Vertrauen, Verlässlichkeit, Harmonie und Frieden, Wertschätzung und Respekt auf dem Spiel. Die SchülerInnen, aber auch die LehrerInnen lernen genau hinzusehen, wachsam zu sein und erkennen somit erste Anzeichen. Da niemand in der Klasse genau weiß, wie und wann er zum Opfer, oder zum Täter werden kann, gilt es für beide Seiten Strategien zu erarbeiten, die wertschätzend und respektvoll sind, gegenüber sich und gegenüber anderen.

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