Kevin ist kein Name…

Heißen Ihre Kinder Hannah, oder Alexander? Glück gehabt! Eine Studie der Uni Oldenburg unter LehrerInnen belegt, dass die SchülerInnen auf Grund ihrer Vornamen hinsichtlich Fähigkeiten, Verhaltensauffälligkeit und sozialem Umfeld bewertet werden. Dabei gibt es Namen, die positive und Namen die negative Assoziationen erzeugen. Eine Lehrerin meinte: Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose. Somit bekommt der alte lateinische Spruch ‚Nomen est Omen‘ wieder eine ganz aktuelle Bedeutung.

Die LehrerInnen unterliegen wie wir alle der Kraft unserer Vorurteile. Aber warum haben wir Vorurteile? Was erfüllt sich dadurch, warum hängen wir so an ihnen? Vorurteile sind dann wichtig, wenn wir schnell, ohne zu Überlegen handeln müssen. Im Laufe der Evolution haben sie uns schon oft davor bewahrt von wilden Tieren gefressen zu werden. Und auch heute noch gibt es viele Situationen, in denen wir unverzüglich aktiv werden müssen, ohne lange zu überlegen. Die Kunst aber besteht darin zu unterscheiden, wann uns Vorurteile nützen und wann sie uns von einer Verbindung zu unseren Mitmenschen abhalten. Um beim obigem Beispiel zu bleiben: Vorurteile hindern uns dabei hinter dem Namen Kevin einen Menschen zu erkennen, der weint, wenn er traurig ist, der vor Freude lacht, der manchmal Angst hat, manchmal mutig wie ein Löwe ist, ein Mensch, der liebt und geliebt werden will.

Im Voraus zu urteilen ist eine Strategie, eine Handlungsweise. Diese dienen immer und ausschließlich unserer Bedürfniserfüllung. Da die Strategie der Vorurteile so hartnäckig ist, müssen die dahinter liegenden Bedürfnisse oft in hohem Maße unerfüllt sein. Was erfüllt sich für uns durch das vorschnelle Urteilen? Wenn wir Menschen kategorisieren, in Schubladen stecken (welch gewaltvolle Vorstellung), gibt uns das möglicherweise Leichtigkeit und Effizienz. Leichtigkeit, weil es gerade sehr anstrengend ist, in jedem neuen Menschen seine unbestrittene Einzigartigkeit zu erkennen. Wir haben jetzt den Kopf mit anderen Gedanken so voll, dass für Vielfalt und Wertschätzung dem Einzelnen gegenüber gerade kein Platz ist. Wir wollen jetzt effizient sein, und unsere Ressourcen schonen. Wenn uns diese Bedürfnisse wichtig sind, dann schlage ich folgendes vor: Leeren wir unsere Schubladen, befreien wir die eingesperrten Meinungen, schaffen wir Ihnen neue Plätze. Plätze der Wertschätzung. Plätze mit der Überschrift: ‚Ich achte Deine Einzigartigkeit, auch wenn mir dein Name, die Länge deiner Haare, deine Kleidung gerade nicht gefällt.‘ Diese Strategie nährt unsere Bedürfnisse nach Leichtigkeit und Effizienz, achtet dabei den Anderen und ist so entspannend.

Damit der Platz nun nicht überquillt, können wir unsere Sicht auf den Gegenüber richten. Welche Bedürfnisse erfüllt er sich durch seine Strategien? Denn Namensgebung, die Frisur oder auch Kleidung sind Strategien. Wenn Eltern ihren Kindern Namen geben, sind ihnen möglicherweise Verbindung, oder Gesehen werden, ganz sicher aber Zugehörigkeit wichtig. Wenn Jugendliche lange Haare, oder gar keine Haare auf dem Kopf tragen, erfüllen sie sich Bedürfnisse. Sie signalisieren dadurch Zugehörigkeit, sie möchten wahrgenommen werden, oder es ist ihnen Verlässlichkeit, Vertrauen wichtig. ‚Ist meine soziale Umgebung wirklich so liberal, wie sie es vorgibt und wie geht sie eigentlich mit Andersartigkeit um?‘ Das Tragen von Kleidung, kann ebenso ein Ausdruck der Einzigartigkeit, oder von Schönheit sein. Ganz sicher wird dadurch Zugehörigkeit signalisiert, denken wir nur an die Anzüge in der Geschäftswelt. Wenn wir uns die Funktion von Uniformen vorstellen, erkennen wir, dass Zugehörigkeit manchmal sogar überlebenswichtig ist.

Wenn wir glauben eine ‚normale‘ Frisur, oder ‚normale‘ Kleidung zu tragen, erfüllen wir uns dadurch ebenso Bedürfnisse. Raten Sie mal welche? Ich habe übrigens nachgeschlagen: Kevin kommt ursprünglich aus Irland und bedeutet soviel wie hübsch, anmutig.

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